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Kategorie: Nachrichten
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Bei solch traumhaftem Wetter sollte man vielleicht besser den verkaufsoffenen Sonntag in der schönsten Kreisstadt der Welt nutzen, oder zumindest den Versuch unternehmen, Helden zu zeugen... aber man kann ja nicht alles haben. Der Spielplan führte uns nach Kellinghusen, wo wir Schach spielten. Wie üblich stellte Wrist-Kellinghusen bestmöglich gegen uns auf. Wir hatten das antizipiert und kamen ebenfalls nahezu in stärkster Besetzung - lediglich Matthias fehlte.

An den vorderen Brettern hatte der Gastgeber vom DWZ-Schnitt her leichte Vorteile.

Cliff gegen Helge Magnussen, das sollte - um es vorweg zu nehmen - eine extrem spannende Partie werden. Früh begaben sich beide in einer scharfen Eröffnung auf den Kriegspfad. Sehr asymmetrisch, die Stellung. Auch bei Sören Koop gegen Frank kam eine spannende Stellung aufs Brett, wobei hier die Struktur etwas durchschaubarer war. Es erinnerte hier an königsindische Bilder mit den üblichen Motiven.

Sören musste mal wieder gegen Michael Kordts ran, hier war es recht ruhig. Irgend wann würde sich eine zentrale Linie öffnen, und dann war gefragt, wer besser manövriert. Bei Jürgen Manthey gegen Andreas stand das Thema Isolani auf der Agenda. Andreas hatte einen solchen, aber stand sehr aktiv.

In der hinteren Setzhälfte hatten wir von den DWZ her Vorteile, die die leichten Nachteile an den vorderen Brettern mehr als ausglichen. Insgesamt waren wir in dieser Beziehung etwas in Vorteil, aber das Prädikat 'Augenhöhe' kann man sicher wählen.

Sven spielte recht offensiv gegen Andreas Thomas, hatte die halboffene f-Linie gegen den unrochierten König, zudem deutlichen Entwicklungsvorsprung. Hauke hatte gegen Volker Josuttis damit zu tun, die Stellung im Gleichgewicht zu halten. Er hatte einen Doppelbauern, dafür aber das Läuferpaar. In der einzigen offenen Linie hatte eher weiß Vorteil.

Jochen hatte eine schöne Druckstellung gegen Olaf Schmidt: viel Raum am Königsflügel, dazu Bauernhebel im Zentrum und am Damenflügel verhindert. Bei mir war es nicht ganz so schön. Mein Gegner Th. Börge Koop setzte mir eine messerscharfe Nebenvariante vor, die mir leider nur rudimentär bekannt war. Wie sich heraus stellte, war schon mein erster Zug, mit dem ich meinem Gegenüber einen Tripelbauern verpasste, nicht der beste.

Nach meinem Eindruck konnte man von ausgeglichenen Chancen sprechen. Da und dort waren einige weiß-Bretter im Vorteil, aber klare Tendenzen waren nicht erkennbar.

Meine Zeit ging ordentlich baden. Mein Gegner hatte immer noch einen Mehrbauern, auch wenn der entwertet war. Es gelang mir dann aber, die Stellung ins Gleichgewicht zu bekommen, indem sein starker Läufer abgetauscht wurde. Nach der Anbahnung eines Damentauschs wäre die Situation so gewesen, dass eine verschachtelte Bauernstellung entstanden wäre bei ungleichfarbigen Läufern. Mein remis-Angebot wurde angenommen. Wohl war mir bei dem Ausgang nicht, denn an meinem Brett gab es den klarsten Unterschied in der DWZ.

Bald darauf brannte es bei Sven lichterloh. Er hatte alle Schwerfiguren auf der f-Linie gegen den immer noch im Zentrum stehenden König versammelt, sein Gegner versuchte einen Gegenangriff mit Dame, Springer und Bauern, die Svens Rochadestellung aufrissen. Die folgende Abwicklung war sehenswert. Sven erzwang Turmtausch, dann Damentausch, dann auch den Tausch des aktiven Springers und band mit dem verbliebenen Turm die schwarzen unentwickelten Kräfte am Damenflügel. Der Versuch, diese zu befreien, wurde gekontert mit dem Sturm des Randbauern, der unweigerlich zur Dame gegangen wäre. Sehr schön gespielt! 1,5 : 0,5 (aus unserer Sicht)

Hauke kam zur Auflösung seines Doppelbauern. Danach löste sich die Spannung in Wohlgefallen auf. Tausch einiger Leichtfiguren, aller Türme auf der offenen Linie mit völlig ausgeglichener Stellung - remis. 2 : 1

Bald darauf verlor dann aber Frank. Er hatte sich für die lange Rochade entschieden, was etwas luftig schien. Als dann Franks Turm einen falschen Platz einnahm, ging es recht schnell. Ein Bauer ging vor, räumte eine Diagonale gegen Franks König, was nicht mehr zu parieren war. 2 : 2

Ich weilte dann einige Zeit bei der Analyse dieser spannenden und hochklassigen Partie. Während dessen kam Andreas zum remis. Er hatte eine ganze Zeit lang einen Minusbauern, dafür sehr aktive Figuren und das Läuferpaar. Das remis erschien mir plausibel. 2,5 : 2,5

Jochen hatte seinen Gegner mehr und mehr in die Defensive gedrängt. Teilweise standen dort drei Leichtfiguren auf der letzten Reihe - akuter Raummangel über viele Züge hinweg. Jochen beorderte immer neue Kräfte in Richtung des gegnerischen Königs, bis der Druck nicht mehr abzuwehren war, und Jochens Gegner aufgab. 3,5 : 2,5

Das sah jetzt doch sehr gut aus, zumindest was einen Teilerfolg anbelangte.

Sören hatte immer noch Ausgleich, was man durchaus als Erfolg werten konnte. Die Türme waren vom Brett verschwunden, und es wurde recht zäh manövriert.

An Brett eins ging es hoch her. Cliff hatte die Rochadestellung Helges aufgebrochen, dafür hatte er selbst schwache Bauern am Damenflügel, und sein Gegner hatte sehr aktive Figuren. Selbst die schwarzen Türme tummelten sich im Zentrum, kaum angreifbar, immer latent drohend. Es gab fiese Drohungen und gemeine Fallen hüben und drüben. Helge klaute einen schwachen Bauern am Damenflügel, was ihn die Hälfte der den König verteidigenden beiden Bauern am anderen Flügel kostete. Cliff pflanzte seinen Läufer direkt vor den schwarzen König, bereit, jeden Moment matt zu setzen. Aber Helge hielt dem Druck stand, drohte auch immer etwas seinerseits. Die Stellung kippte zugunsten Cliffs (in meinen Augen), als Helge Damengewinn drohte. Das war aber nur bedingt richtig, denn es wäre ein Figurenverlust gewesen. Cliff drängte den schwarzen Turm von der Grundlinie weg, was den König allein ließ. Danach ging es blitzschnell: einige Sekunden durchrechnen, dann sechs Züge bis zum matt in Sekundenbruchteilen... wie kann man nur so schnell rechnen? Aber auch Helge gebührt Respekt: das war sehr stark von beiden gespielt. 4,5 : 2,5

Damit war der Mannschaftssieg eingetütet. Da die Stellung immer noch ausgeglichen war, nahm Michael Sörens remis-Angebot an. 5 : 3

Das war eine sehr spannender Mannschaftskampf auf hohem Niveau. Ich denke, dass unser Sieg verdient war. Für uns ist damit das primäre Saisonziel, nicht in Abstiegsgefahr zu kommen, in Sichtweite. Bei unsrigem Gegner ist das nicht der Fall. Falls sie allerdings regelmäßig eine solche Truppe an die Bretter bekommen sollten, werden sie sich auch retten.

Unser nächstes Spiel geht gegen Rendsburg. Da sind aus der letzten Saison noch einige Rechnungen offen. Man darf einen erneut spannenden Wettkampf erwarten.